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Wundreinigung - erste Maßnahmen

Die Tiefenausdehnung des abgestorbenen Gewebes und der Wundflüssigkeit ist neben Ort, Beschaffenheit, Menge und Lokalisation sowie dem Allgemeinzustand des Patienten ausschlaggebend für das Vorgehen. Es sollte zwischen der Entfernung von oberflächlichem und tiefer liegendem Zellgewebe unterschieden werden. Dies ist einerseits für die Wahl des Verfahrens von Bedeutung.
Durch "Selbstauflösung" (Autolyse) werden Beläge bei der Wundversorgung mit interaktiven Verbänden gelöst. Beim mechanischen Debridement werden mit dem Skalpell insbesondere feste, zähe Nekrosen und Beläge entfernt. Kollagenase hat den Vorrang vor anderen enzymatischen Behandlungen.

Zum oberflächlichen Debridement können alle drei Methoden eingesetzt werden, die Entfernung tiefer Nekrosen sollte, schon um das Infektionsrisiko zu mindern, mechanisch durchgeführt werden.

Die mechanische Abtragung abgestorbenen Materials und festhaftender fibrinöser Beläge kann für den Patienten sehr unangenehm und schmerzhaft sein, besonders wenn eine arterielle Komponente mit vorliegt. Der Vorteil liegt allerdings in dem unmittelbar sichtbaren Erfolg und in der Anregung der Wundheilung.

Die unterschiedlich schmerzhafte mechanische Reinigung mit Skalpell und Pinzette kann mit 2% Lidocain getränkten Kompressen oder durch lokalanästhetische Cremes für den Patienten erträglicher gemacht werden.  Nach dem Einwirken wird die Creme entfernt, die Wunde mechanisch von Belägen befreit. Die Wundspülung erfolgt mit Leitungswasser, Kochsalzlösung oder Ringerlösung.

Feuchte Wundheilung

Interaktive Wundverbände sind wirkstoffreie Medizinprodukte, die ein feuchtes Wundmilieu aufrechterhalten können, ohne daß es zu Gewebemazeration und zur Bildung von feuchten Kammern kommt. Besondere hochresorptive Polymere nehmen das Exsudat auf und regulieren interaktiv die Feuchtigkeitsverhältnisse in der Wunde. Zu den interaktiven Wundverbänden gehören z.B. Alginat-, Hydrogel-, Hydrokolloid-, Weichschaum- und Folienverbände im engeren Sinn sowie Aktivkohleverbände im weiteren Sinn.

Die feuchten Wundverhältnisse ermöglichen im Vergleich zur offenen, austrocknenden Wunde ein leichtes "Wandern" der frischen Epithelzellen. Das Zellwachstum wird positiv beeinflußt. Selbsthaftende Verbände sollen die Wundränder zwei bis drei cm überragen, so daß die Ränder an der umgebenden intakten Haut anliegen. Nicht-selbsthaftende Verbände werden der Wunde so angepaßt, daß sie diese locker ausfüllen.  Der nach außen abschließende Verband kann dann mit einem selbsthaftenden Verband erfolgen. In jedem Fall sollte der Wundverband der Wundfläche anliegen.

Verbandwechsel während der Exsudationsphase

Der Verband wird während der Exsudationsphase täglich oder sogar mehrmals täglich gewechselt, da das Ausmaß der Exsudation zu Beginn oft erheblich ist. Da die Wundverbände das Wundexsudat aufsaugen, kann die umgebende Haut durch darin enthaltene proteolytische Enzyme nicht geschädigt werden.  Bei Hydrokolloidverbänden bildet sich als Zeichen der Notwendigkeit eines Verbandwechsels eine Flüssigkeitsblase, nach dem Freilegen der Wunde ist diese mit einem gelblichen Gel ausgefüllt, Bei Hydrogel -, Alginat- und Weichschaumverbänden wird das Exsudat ohne Gelbildung aufgesaugt. Die Entfernung des Wundverbandes ist in der Regel für den Patienten schmerzlos, sollte ein Verband doch einmal an der Wunde haften, so kann er unter Spülung mit Leitungswasser durch eine kurze Dusche, mit Kochsalz- oder Ringerlösung gelöst werden. Die Wunde wird dann in gleicher Weise gespült.

Gel oder locker aufliegende Beläge lassen sich so meist ausreichend entfernen, bei fester haftendem Material sollte eine mechanische Entfernung oder enzymatische Entfernung erfolgen.  Vor Aufbringung eines frischen interaktiven Wundverbands sollten die Wundränder mit einem trockenen, sterilen Tupfer abgetupft werden. Je nach individueller Fallkonstellation kann der Verbandwechsel, wenn er vom Patienten oder einer Hilfsperson erlernt und verstanden ist, im Intervall zu Hause durchgeführt werden. So können nach einer anfänglich bis zu täglichen Vorstellung während der ersten Woche der Behandlung später größere Behandlungsintervalle ausreichen.

Epithelisierung

Der Verbleib eines interaktiven Wundverbands kann in der Epithelisierungsphase auf bis zu sieben Tage gesteigert werden. Es tritt dann kaum noch Exsudation auf, andererseits wird das frisch entstehende Epithel im feuchten Milieu geschützt und trocknet nicht aus. Die Epithelisierung erfolgt je nach Alter, Grunderkrankung und konsequenter Einhaltung der Therapie in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Kontaktekzem sowie Stauungsekzem

Besteht ein Stauungsekzem, eine Kontaktallergie durch Salben oder Wundsekrete, dann sind kurzfristig Cortisonhaltige Salben erforderlich. Die Salbengrundlage muß unter Berücksichtigung von Sensibilisierungen und dem Feuchtigkeitszustand entsprechend gewählt werden. Allgemein soll die Lokaltherapie wenig allergieproduzierend sein.

Baden

Der Verbandwechsel kann auch zu einem kurzen Unterschenkel(dusch)bad, zum Beispiel mit medizinischer Schmierseife, die die Haut geschmeidig hält und dem Patienten ein angenehmes Frischegefühl gibt, genutzt werden. Ein großer Vorteil selbsthaftender interaktiver Wundverbände ist die Möglichkeit, auch mit dem Wundverband nach Ablegen des Kompressionsverbands zu baden oder zu duschen.

 

 

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Stand: 08. April 2000