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Cholesterin-Kristall-Embolisation
Cholesterin-Kristall-Embolisationen sind eine seltene und häufig unterschätzte Variante
arterieller Gefäßverschlüsse. Sie bedingen ein vielfältiges, schwer zu
diagnostizierendes Krankheitsbild mit dramatischem Verlauf bis hin zum Tode. Da sich die
Behandlungsmöglichkeiten auf symptomatische Behandlungen beschränken, kommt der Vorsorge
bzw. der Vermeidung einer Verschlimmerung der Erkrankung entscheidende Bedeutung zu.
Hierfür muß das Krankheitsbild überhaupt erkannt werden bzw. bekannt sein.
Wie entstehen die Cholesterinembolien?
Die Kristalle kommen aus cholesterinreichen arteriosklerotischen Plaques zumeist der
Bauchschlagader. Durch Beschädigung der Gefäßinnenschicht und Verletzung oder Lysierung
thrombotischer Abdeckungen arteriosklerotischer Plaques gewinnen die Teilchen Zugang zur
Blutbahn und streuen in die Mikrozirkulation
abhängiger Organsysteme. Ursache sind zumeist gefäßchirurgische oder angiographische
Eingriffe und gerinnselauflösende Medikamente. Aber auch Gerinnungshemmer können einer
Streuung Vorschub leisten, in dem sie die Bildung eines schützenden Thrombus über einer
arteriosklerotischen Läsion verhindern. Auch spontane Embolisation sind möglich.
In der Regel handelt es sich um ein zweizeitiges Geschehen, wobei die klinischen
Symptomatik mit einer Latenz zu dem als Auslöser anzunehmenden Ereignis auftritt.
Beschwerdebild
Allgemeine Symptome: Fieber, Blutdruckanstieg, Gewichtsverlust
Umschriebene Durchblutungsstörungen der Zehen und der Füße bis hin zum Gewebeuntergang
bei tastbaren Pulsen, Livedo reticularis, Purpura, Petechien, bewegungsunabhängige
Muskelschmerzen, Nierenversagen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt
Die Kristalle verlegen zunächst nur kleinste Endstromarterien ( ( 150 -200 µm ).
Embolien können somit innerhalb gut kollateralisierter Stromgebiete kompensiert und
zunächst ohne Beschwerden bleiben. Fortgesetzte Embolisationen, Thrombosierung der
Strombahn, Gefäßspasmen und Entzündungsreaktionen führen zu einem progredienten
Verschluß auch vorgeschalteter Gefäße. Funktionelle Endarterien ( Niere ) sind
wesentlich häufiger von symptomatischen Embolien betroffen als gut kollateralisierte
Gefäßgebiete ( z.B. Gastrointestinaltrakt ). 2.) In der Regel handelt es sich um ein
zweizeitiges Geschehen, wobei die klinische Symptomatik mit einer Latenz zu dem als
Auslöser anzunehmenden Ereignis manifest wird.
Diagnostische Verfahren
Häufig sind eine Leukozytose mit Eosinophilie und eine erhöhte BSG nachweisbar. Das
Spektrum der übrigen Laborparameter richtet sich nach dem Ausmaß der ischämischen
Schädigung und den involvierten Organen. Nur durch den histologischen Nachweis der
Cholesterin-Kristalle in Haut-, Muskel- oder Nierenbiopsie kann die Diagnose gesichert
werden. Charakteristisch für das histologische Bild sind die schlitzförmigen
intravaskulären Aussparungen, die von den bei der Fixation herausgelösten Kristallen
zurückbleiben. Durch die begleitende Entzündungsreaktion kann das histologische Bild dem
einer Vaskulitis gleichen. Demnach sollte differentialdiagnostisch bei
passender" klinischer Symptomatik eine Cholesterin-Embolie nicht grundsätzlich
ausgeschlossen werden, auch wenn der Kristallnachweis im Präparat mißlingt.
Behandlung
Bei begründetem Verdacht auf eine Cholesterinembolie ist der Patient umgehend stationär
einzuweisen. Die Therapie stützt sich auf symptomatische Maßnahmen: Vordringlich und
entscheidend ist der sofortige Verzicht auf jegliche Form der Hemmung der Blutgerinnung.
Nur so besteht die Chance, daß sich eine embolische Streuquelle thrombotisch
verschließen kann. In der Regel wird hierdurch allerdings nur eine Verschlimmerung des
Krankheitsbildes verhindert. Alle anderen Therapieansätze sind in ihrer Wirksamkeit
umstritten: der Vorteil einer lipidsenkenden Medikation ist letztendlich nicht erwiesen.
Umstritten bleibt weiterhin, ob die Peritonealdialyse der Hämodialyse ( Antikoagulation
erforderlich! ) vorzuziehen ist.
Da eine ursächliche Behandlung des potentiell lebensbedrohlichen Krankheitsbildes nicht
verfügbar ist, muß der Vorsorge höchste Wertigkeit eingeräumt werden. Hierzu zählen
die besonders behutsame Durchführung der Eingriffe bei Patienten des Risikokollektivs. Im
Einzelfall sollte die Indikationen für Lysetherapien und gefäßinvasive Eingriffe streng
überprüft werden. Die Darstellung der Aorta mittels Sonographie des Abdomens und die
Echokardiographie liefern Aufschluß über den Schweregrad der Gefäßveränderungen. |