Widerstand ist häufig entscheidend
Durch den Abfall des arteriellen Mitteldruckes jenseits eines Verschlusses kommt es zur
Erweiterung der Widerstandsgefäße. Die krankhafte Steigerung des
Gesamtwiderstandes durch Hinzutreten des durch einen Gefäßverschluss
bedingten Kollateralwiderstandes kann -
zumindest unter Ruhebedingungen - durch eine Verminderung des
Organwiderstandes weitgehend kompensiert werden. Der Gesamtwiderstand bleibt unter
Ruhebedingungen somit mehr oder weniger konstant.
Arbeitsbedingung
Wird die Muskulatur jenseits eines Arterienverschlusses arbeitsbelastet (z. B. die
Muskulatur des Unterschenkels bei vorgeschaltetem Verschluss im Oberschenkel), reicht die
verminderte Druckreserve in der Regel nicht aus, um eine entsprechende Steigerung der
Durchblutung in der nachgeschalteten Muskelstrombahn zu erreichen.
Verhalten des distalen arteriovenösen Widerstandes
Wie unter der Bedingung des ruhenden Beines geschildert, kommt es zu einer Erweiterung der
Widerstandsgefäße. Das Ausmaß dieser Reaktion ist allerdings ungleich größer: Man
geht nach wie vor davon aus, dass unter Arbeitsbedingungen eine maximale Erweiterung
(Dilatation) des betroffenen Strombahngebietes eintritt (vollständige Ausschöpfung der
Dilatationsreserve) und durch keine wie immer geartete Maßnahme gesteigert werden kann.
Neben dem druckabhängigen Bayliss-Effekt als Ursache der Gefäßerweiterung kommt hier
vor allem der metabolisch stimulierte Nutritionsreflex in Betracht (ein Teil der lokal
anfallenden Stoffwechselprodukte hat eine starke dilatatorische Wirkung auf die kleinsten
Arterien und Arteriolen).
Durch die erhöhte Geschwindigkeit des Blutflusses in den Umgehungsgefäßen
tritt ein weiterer Energieverlust ein. Der Druck unterhalb eines Gefäßverschlusses als Indikator der Druckreserve
sinkt weiter ab. Die natürlichen Möglichkeiten der Kompensation werden durch das
Verhalten des Drucks bzw. der Druckreserve hinter einem Gefäßverschluss bestimmt:
Nähert er sich dem kritischen Druckniveau, d. h. strebt die Druckreserve gegen Null, so
ist mit einer ausreichenden Organdurchblutung nicht mehr zu rechnen.
Erreicht er
den
kritischen Verschlussdruck oder den venösen Druck, so muss Strömungsstillstand angenommen
werden.